Die QRS Pelvicenter rPMS vereint die Therapiemethoden “Elektrostimulation” und “Beckenbodentraining”

Das QRS 1010 Pelvicenter, auch als Magnetstuhl bekannt, ist ein hocheffizienter Muskelstimulator zur neuromuskulären Therapie eines geschwächten Beckenbodens bzw. seiner degenerierten Muskulatur und deren negative Folgen.

QRS 1010 Pelvicenter - the most powerfull pelvic stimulator of the world

Die übergreifende Verfahrens-Familie wird als PMS (Pulsed Magnetic Stimulation) bezeichnet. Die Therapiemethode ist NICHT mit der klassischen Magnetfeldtherapie (PEMF) vergleichbar. Der Terminus technicus „rPMS“ (repetitive periphere Magnetstimulation) beschreibt das Verfahren selbst.

Basierend auf den physiologischen Eigenschaften eines klassischen Beckenbodentrainings wird die Kräftigungswirkung über ein elektromagnetisches Feld im hohen Teslabereich (3 Tesla Ausgangsleistung) realisiert. Dieses, bis zur Maximalkraft einstellbare Wirkfeld, stimuliert die motorischen Nerven und erzeugt eine hohe Anzahl von Kontraktionen, sprich muskelanspannenden Bewegungen. Im Gegensatz zum klassischen Beckenbodentraining werden diese Muskelkontraktionen vom Patienten nicht willentlich erzeugt und sind auch nicht vom Patienten beeinflussbar.


Grafik: Darstellung der “Stimulationseinwirkung” des QRS Pelvicenters rPMS Signales auf die mehrschichtige Beckenbodenmuskulatur. Die beeindruckende, maximale Reichweite des Wirkfeldes bei höchster Intensität beträgt in der Breite bis zu 30 cm und in der Tiefe bis zu 15 cm.


Die QRS Pelvicenter rPMS Methode ist mit der Elektrostimulation sowie dem klassischen Beckenbodentraining vergleichbar, jedoch ist die rPMS überlegen.

Die belegte Wirkung des Beckenbodentrainings als auch der vaginalen bzw. rektalen Elektrostimulation wird mit der QRS Pelvicenter rPMS in einer Therapiemethode vereint. Denn die QRS Pelvicenter rPMS beruht grundlegend auf den physiologischen Eigenschaften eines klassischen Beckenbodentrainings sowie den technischen Prinzipien der Elektrostimulation. Beide Therapiemethoden finden in der Fachwelt Anerkennung. Dies lässt sich auch durch die Leitlinien zur Blasenfunktionsstörung belegen.

Die QRS Pelvicenter rPMS stellt sich als eine dynamische Symbiose zweier anerkannter Therapiemethoden heraus, bei zugleich wesentlichen und für einen schnellen Therapieerfolg essentiellen Vorteilen.

Warum ist die QRS Pelvicenter rPMS Methode überlegen?

1. Gegenüber der Elektrostimulation verwendet die rPMS eine innovativere Art der Stromübertragung.

Denn das Magnetfeld ist ein raffiniertes, berührungsloses “Übertragungsmedium“, ähnlich dem modernen Wireless Charging bzw. Inductive Charging (kabellose elektromagnetische Ladungsinduktion).

Der grosse Nachteil der Elektrostimulation ist, dass immer ein hoher (ohmscher) Widerstand von Haut-, Muskel- und Knochengewebe vorhanden ist, so dass es zwangsläufig zu einem Spannungsabfall kommt. Dieser Spannungsabfall muss durch höhere Stromdichten ausgeglichen werden. Allerdings führt diese Erhöhung ab einer bestimmten Reizschwelle zu unangenehmen Schmerzeffekten für den Patienten. Da ab einer bestimmten Stromstärke der Schmerz für den Patienten zur Qual wird und nicht mehr auszuhalten ist, ist die Eindringtiefe der Elektrostimulation somit limitiert.

Viele Patientinnen und Patienten befinden die Einführung einer Elektrodensonde (vaginal bzw. rektal) als unangenehm. Zudem wird die Sondeneinführung häufig als Intimsphäre-verletzend angesehen!

Sowohl die Problematik der Eindringtiefe, als auch die Sonden-Einführung, lässt sich mit einer QRS Pelvicenter Magnetstimulation unter Anwendung des Prinzips der elektromagnetischen Induktion äusserst wirkungsvoll umgehen. Nachdem die Impulse tiefer in das Gewebe eindringen und deshalb keine Schmerz- und Mechanorezeptoren der Haut aktivieren können, ist eine QRS Pelvicenter rPMS-Therapie schmerzfrei [1],[2].

Die Eindringtiefe hängt auch mit der Streuung der räumlichen Feldverteilung zusammen: Während das Magnetfeld vom Ionenmilieu eines Gewebes abhängig ist und damit tiefer ins Muskelgewebe dringt, wählt ein elektrisches Feld den Weg des geringsten Widerstands – der allerdings durch den höheren Widerstand des tiefer liegenden Gewebes sehr schnell beendet ist. Am Zielort, also dort, wo Nerven die Muskeln zur Kontraktion bringen, wird mit der QRS Pelvicenter rPMS der gleiche Effekt wie bei der Elektrostimulation ausgelöst! Doch der Übertragungsreiz des elektrischen Stromes über die Haut ist hinfällig und somit die Stimulationsintensität in der Tiefe der Muskulatur deutlich stärker.

2. Gegenüber dem klassischen Beckenbodentraining ist der Therapieerfolg NICHT direkt von der Patientenmotivation sowie von evtl. gegebenen körperlichen Einschränkungen abhängig.

Das grösste Risiko des aktiven Beckenbodentrainings besteht darin, dass Patienten, die über wenig ausreichend funktionstüchtige Beckenbodenmuskeln verfügen bzw. diese nicht wahrnehmen können, fälschlicherweise im Training die “Hilfsmuskulatur” Bauch, Gesäss und Oberschenkel kompensatorisch kontrahieren (faulty feedback). Kann der Therapeut durch das Abtrainieren des Fehleinsatzes der kontraproduktiven Hilfsmuskulatur keine Abhilfe schaffen, wird der Therapieerfolg deutlich abgeschwächt oder entfällt. Eine konsekutiv nachlassende Motivation und Therapieadhärenz bis zum Abbruch kann die Folge sein.

Neben mangelnder Adhärenz sind jedoch auch körperliche und/oder mentale Einschränkungen der Mobilität auf Patientenseite, vor allem in fortgeschrittenen Lebensabschnitten, mit einem reduzierten oder ausbleibenden Therapieerfolg assoziiert.

Anders finden sich die Voraussetzungen für die rPMS: In bequemer, sitzender Position im QRS Pelvicenter fordert die Behandlung keine anstrengenden, körperlich gesteuerten Aktivitäten oder willentliche Steuerung. Ein “falsches” Training mit konsekutivem “faulty feedback” ist ausgeschlossen.

Die berührungslose Stimulation erfolgt üblicherweise in Alltagsbekleidung. Somit entfällt auch das Umziehen bzw. ein Entkleiden!

Die entscheidende Wahrnehmungsschulung der Beckenbodenmuskulatur zu Beginn eines angeleiteten Beckenbodentrainings entfällt entweder, oder falls vom Therapeuten gewünscht, kann die Wahrnehmungsphase mittels dem Einsatz des QRS Pelvicenters deutlich verkürzt werden.


rPMS – Reizübertragung auf Muskelzellen

Die Übertragung des elektrischen Reizes auf den Muskel erfolgt über die sog. motorische Endplatte.

Erläuterung zur motorischen Endplatte:
Die motorische Endplatte entspricht einer chemischen Synapse bzw. einem Spalt von 20 bis 50 nm, auf dessen einer Seite die Endknöpfchen des motorischen Nervs und auf der anderen Seite ein Membranabschnitt der Muskelzellen gelegen ist. Trifft ein nervaler Reiz ein, wird im Synapsenspalt der Neurotransmitter Acetylcholin ausgeworfen und durch bestimmte (nikotinerge) Rezeptoren empfangen. Sowohl die Endknöpfchen als auch die Membran sind stark aufgefaltet, so dass sich durch die Oberflächenvergrösserung die Signalübertragung potenziert.

Das Axon der Nervenzelle verzweigt sich im Perimysiums (Muskelfaser-umgebende Schicht aus Bindegewebe). Je grösser die Verzweigungen, desto mehr Muskelfasern können versorgt werden. Eine motorische Nervenfaser innerviert, abhängig von der Anzahl ihrer Verzweigungen, 3 bis 2.000 Muskelfasern („motorische Einheit“), wobei dies davon abhängig ist, ob die Muskelgruppe mehr grob- oder feinmotorisch arbeitet.

Während z.B. für die Muskulatur des Fingerstreckers eine motorische Einheit nur 10 bis 15 Muskelfasern innerviert [3], was also eine feinere Abstufung der Motorik ermöglicht, versorgt beim Beugemuskel des Arms (M. Biceps brachii) eine einzige motorische Einheit 750 Muskelfasern. Für alle innervierten quergestreiften Muskelfasern gilt das „Alles-oder-Nichts-Prinzip“, d.h. in einer motorischen Einheit kontrahieren sich entweder alle innervierten quergestreiften Muskelfasern gleichzeitig oder alle nicht [4].


rPMS – Wirkung auf motorische Nerven

Das Ruhepotential peripherer Nervenzellen liegt zwischen -65 bis -75 mV, wobei bereits Änderungen von +10 bis +20 mV eine Depolarisation der Nervenzelle hervorruft. Deshalb ist mit einer elektromagnetischen Induktion (rPMS) hoher Intensität („Nadelimpuls“) jederzeit eine Potentialverschiebung möglich, welche konsequenterweise in einer Depolarisation bzw. einem Aktionspotential endet.

Dies betrifft vorrangig nur die dicken, markhaltigen und damit schnell leitenden Nervenfasern (A alpha / Ø 10 bis 20 µm / Leitungsgeschwindigkeit 60 bis 120 m/s [5]  bzw. in der Klassifikation nach Lloyd/Hunt die Klasse I). Diese gemischt sensomotorischen Nerven enthalten keine Schmerzafferenzen, so dass die Stimulation quasi schmerzfrei ist [6].

Grundsätzlich werden dünne, unmyelinisierte Schmerzfasern (Typ C / Ø 0,5 bis 1,5 µm / 0,5 bis 2m/s) nicht aktiviert. Aus demselben Grund bleiben auch die sakralen Nervenfasern des Parasympathikus (Typ C) ohne Reaktion. Da die Reizschwelle für die Skelettmuskulatur ungleich höher liegt als bei Nervenzellen, ist eine direkte Stimulation des Muskels ausgeschlossen [7].

Eine rPMS-bedingte Polarisation senkt das Membranpotential der Nachbarneuronen, so dass der gesetzte Anfangsimpuls kettenreaktionsartig bis zur motorischen Endplatte und den entsprechenden Muskelfasern weiterspringt. Die Folge ist eine starke Muskelkontraktion in Abhängigkeit zur eingesetzten Intensität und Frequenz. Ab einer Frequenz von etwa 20 Hz entsteht eine tetanische Muskelkontraktion (Dauerkontraktion), was sich z.B. in einer EMG-kontrollierten Untersuchung der Unterschenkelmuskulatur nachweisen liess [8].

Ein von aussen angelegtes elektromagnetisches Feld wirkt vorrangig in Verlaufsrichtung des Axons. Feldkomponenten senkrecht zum Axon sind zu vernachlässigen [9].

Da der Beckenboden eine Vielzahl unterschiedlicher quergestreifter (Skelett-) Muskeln enthält, ist eine pauschale prozentuale Verteilung nicht exakt zu bestimmen. So soll z.B. der Anteil der Typ-I-Fasern im M. pubococcygeus bei 70 % liegen [10]. Eine andere Untersuchung schätzt den Typ-II-Gehalt im M. puborectalis auf 19 % [11] und betont gleichzeitig, dass die Verteilung der Muskelarten regionalabhängig völlig unterschiedlich ist [12], selbst auf einen einzelnen Beckenbodenmuskel bezogen [13].

Dies geht sogar so weit, dass es z.B. im M. levator ani bei der Belastungsinkontinenz Unterschiede zwischen der linken und rechten Seite gibt [14],[15]. Post-Mortem-Analysen haben z.B. ergeben, dass die urethra-nahen (periurethralen) Muskeln erstaunlicherweise nur 4 % schneller Fasern enthalten. Bei der Belastungsinkontinenz sollen die schnellen Fasern im M. levator ani ebenfalls vermindert sein [16].

Bei inkontinenten Personen ist die Verzögerung zwischen nervalem Stimulus und der Kontraktion der langsamen Muskelfasern stärker ausgeprägt als bei Gesunden [17]. Es scheint so, als ob die Innervation der Beckenbodenmuskeln beschädigt ist. Das hat die Folge, dass die dazugehörigen Muskelfasern verkümmern (Atrophie).

Nicht betroffene Nervenfasern in der Nachbarschaft können jedoch eine Reinnervation erzwingen und sogar ihre Morphologie ändern, sich also von ursprünglich schnellen Fasern in langsame Fasern umwandeln und so die funktionelle Integrität des Beckenbodens aufrecht erhalten [18]. Muskeln besitzen demnach ein erhebliches Potential der Selbstreparatur – falls ein entsprechender Stimulus besteht.

Bei der rPMS entscheidet allein die gewählte Frequenz, welcher Muskelfasertyp bevorzugt angesprochen wird. Deshalb ist die richtige Wahl der Einstellung massgeblich entscheidend für den Therapieerfolg.


rPMS – Wirkung auf die Propriozeption

Unter Propriozeptoren (Tiefensensibilität) versteht man Sensoren, deren Aufgabe es ist, ständig Informationen zur Position und Bewegung des Körpers anzubieten. Sie sind in Muskeln und Sehnen enthalten und informieren über die Stellung der Gelenke, die Geschwindigkeit und Richtung einer Stellungsänderung sowie die dafür eingesetzte Kraft.

Erläuterung Propriozeptoren:
Zu den Propriozeptoren gehören Muskelspindeln, also Fasern, die parallel zu den Muskelfasern verlaufen und über die Länge bzw. die Verkürzung der Muskeln informieren. Ihre nervale Weiterleitung (Afferenz) erfolgt grösstenteils über Nervenfasern der Klasse Ib („myelinummantelt“), d.h. sie leiten die Information mit grosser Geschwindigkeit in das Rückenmark, wo die Informationen direkt mit Reflexen beantwortet werden (Reflexbogen). Dies sind z.B. motorische Signale an den Muskel mit der Aufgabe, einer Überdehnung des Muskels vorzubeugen, aber auch die antagonistischen Muskeln zu blockieren. Es findet aber immer auch eine Weiterleitung (in geringerer Leitungsgeschwindigkeit) an den Thalamus statt, der das Ganze dann an die Hirnrinde (Cortex) weiterreicht. Ähnliches gilt für die Golgi-Sehnenorgane.

Neben ihrer Aufgabe zur Koordination von Muskelbewegungen sind Propriozeptoren also verantwortlich für die kortikale Repräsentation im somatosensorischen Cortex, d.h. wiederholte gleichsinnige Bewegungen prägen und erweitern diesen Bereich.


rPMS – direkte Stimulation der propriozeptiven sensiblen Nervenbahn

Nachdem rPMS an markhalten motorischen Nerven (Typ 1a/b) Aktionspotentiale erzeugt, reagieren auch die markhaltigen afferenten Fasern der Propriozeption entsprechend. Diese reichen zwar nur bis zum Reflexbogen, jedoch wird das nervale Signal in Richtung Cortex durch (dünne) langsam leitende Nervenbahnen weitergeleitet. Da für das Ursprungssignal bereits eine Rezeption stattgefunden hat, kommt es quasi zu einer doppelten Informationsübertragung an den Cortex: Zum einen durch die durch die rPMS verursachte Kontraktion von Muskelfasern und Bändern, zum anderen durch die (parallele) direkte rPMS-Stimulation der propriozeptiven, afferent verlaufenden sensorischen Nervenbahnen [19],[20].


rPMS – Repräsentationszentrum

Zellen und Zellfunktionen unseres Körpers sind natürlicherweise auf einen permanenten „Sparmodus“ eingestellt, um nicht unnötig Energie und Ressourcen zu vergeuden. Dies betrifft auch die sog. Koordination von Skelettmuskeln. Bei einer aktiven Muskelanspannung kontrahieren sich – abhängig vom Widerstand bzw. dem voraussichtlichen Kraftaufwand – nicht sämtliche Muskelfasern. Nur ein Teil oder sogar ein Bruchteil des Muskelpotentials wird aktiviert.

Unter Koordination versteht man u.a. das synergistische Zusammenspiel zwischen intrinsischer („innere, tiefliegende Muskeln“) und extrinsischer („äusserer“) Muskeln.

Andererseits ist es aber z.B. auch ausgeschlossen, alle Fasern eines Muskels gleichzeitig zur Kontraktion zu bringen. Der Höchstwert liegt unter normalen Bedingungen bei lediglich etwa 65 bis 70 %. Nur in extremen Situationen wie Todesangst (oder unter Doping) werden 90 % aller “existenten” Muskelfasern angesprochen [21],[22]. Voraussetzung sind selbstverständlich existente oder unbeschädigte Muskelfasern, eine ausreichende Versorgung von Muskelfasern durch eine jeweilige motorische Einheit sowie idealerweise eine entsprechende Vorprogrammierung im motorischen Cortex bzw. Repräsentationszentrum.

So kommt es z.B. allein mit dem Anheben eines Armes schon kurz vorher zu einer stabilisierenden Beckenbodenkontraktion [23]. Es wird deshalb angenommen, dass synergistische Co-Kontraktionen ein natürliches Reaktionsmuster darstellen, damit plötzlichen abdominellen Druckanstiegen wirksam begegnet werden kann.

Ein Koordinationstraining mittels rPMS entsteht über die Wiederholung motorischer Impulse. Dabei macht es keinen Unterschied, ob sich das Training auf eine konzentrische oder isometrische Kontraktion bezieht. Wird bei einem konventionellen Beckenbodentraining lediglich eine isolierte, isometrische Anspannung trainiert, kann die Muskulatur nur einen geringen Teil der maximal möglichen Kraft erzeugen. [24].

Im Gegensatz dazu ist bei einer Elektrotherapie – und damit auch bei einer rPMS – die Rekrutierungsreihenfolge der Muskelfasern nicht festgelegt und erfolgt somit global [25]. Wird ein einzelner Beckenbodenmuskel elektrisch stimuliert, besteht die Tendenz, dass sich auch sämtliche anderen Muskeln der Verbundeinheit kontrahieren, d.h. wie ein einziger Muskel reagieren [26].

Beckenbodenmuskulatur durch die QRS Pelvicenter rPMS stimuliert
Grafik: Wird ein einzelner Beckenbodenmuskel elektrisch stimuliert, kontrahieren auch sämtliche anderen Muskeln der Verbundeinheit.

Wiederholtes rPMS-Training, bei dem im Idealfalle 100% aller Muskel des Beckenbodens zumindest angesprochen werden, verstärkt die Verschaltung des motorischen Cortex und beweist die Neuroplastizität des ZNS [27],[28],[29],[30]. Der dem zugrunde liegende sensomotorische Zustrom entspricht dabei den verloren gegangenen physiologischen propriozeptiven Afferenzen bei aktiven Bewegungen und ersetzt diese gleichsam [31].

Nach Beendigung einer Stimulationsserie, die unter sportphysiologischen Gesichtspunkten 3 x wöchentlich über 6 Wochen durchzuführen ist, wird eine spätere Ansteuerung vorher ungenutzter Muskelfasern aus dem Repräsentationszentrum des Cortex möglich gemacht. D.h. natürliche kortikale Anforderungen an den Beckenboden werden zukünftig von allen verfügbaren Muskeln des Beckenbodens beantwortet. Allerdings immer mit der „Einschränkung“, dass auch „mittrainierte“ Gesässmuskeln (M. glutaei) ebenfalls reagieren.

Bei einem rPMS-Training werden auch die Gesäss- und die rückseitige Oberschenkelmuskulatur mittrainiert und verstärkt damit auch die kortikale Repräsentation für diesen Bereich. Die mögliche Gefahr eines „faulty feedbacks“ ist bei einem rPMS-Training als gering einzuschätzen, nachdem der Mechanismus einer „passiven“ Stimulation der Beckenbodenmuskeln nicht davon abhängig ist, ob sich die Patienten der stattfindenden Muskelkontraktionen auch bewusst sind.


rPMS – Muskelwachstum

Wenn man einmal davon absieht, dass eine passive Muskelstimulation einer natürlichen Bewegung im abgestuften Verbund verschiedener Muskeln nicht voll entsprechen kann, gibt es hinsichtlich des reinen Muskelwachstums keinen Unterschied. In einer Invitro-Studie mit menschlichen Muskelzellen, die durch Biopsie gewonnen wurden, erhöhte sich unter rPMS die Differenzierungsrate um 44%, im Vergleich zur nichtbehandelten Kontrollgruppe mit lediglich 26% [32]. Auch erhöhte sich das Protein PGC-1 alpha als Ausdruck einer erhöhten Trainingsanpassung des Muskels. Ebenso nahmen die mRNA und Proteinsynthese zu bzw. kam es zu einer Verdopplung der Acetylcholinesterase, was eine erhöhte Synapsentätigkeit widerspiegelt.

Erläuterung PGC-1 alpha:
PGC-1 alpha steuert die Anpassungsmechanismen eines Ausdauertrainings und hat damit einen erheblichen Einfluss auf den Stoffwechsel und die Muskelfunktion. Es steigert die Ausdauerfähigkeit des Muskels, indem es u.a. die Bildung und den Abbau von Laktat reguliert.

In einer begleitenden Invivo-Tierstudie mit Ratten führte rPMS zu einer beschleunigten Muskelzell-Differenzierung und Verletzungsheilung, d.h. ein beschleunigtes Einspriessen von Nerven und das Auftreten von Acetylcholin-Rezeptoren, die für die Reizübertragung an der motorischen Endplatte notwendig sind.


Zusammenfassung

Bei adäquater, oftmals jedoch nicht optimaler Therapieanleitung und guter Patientenadhärenz, verspricht eine klassische Beckenbodentherapie bzw. ein Kontinenztraining gute (bis sehr gute) Behandlungserfolge Das erforderliche körperliche und zeitliche Engagement mit konsekutiv häufig mangelnder Therapieadhärenz führen jedoch vielmals zu einem eingeschränkten oder unzureichenden Therapieerfolg.

Auch Medikamente ebenso wie eine mittlerweile unüberschaubare Anzahl auch moderner Operationstechniken können, vor allem hinsichtlich der Langzeitergebnisse nicht überzeugen. Unabhängig davon möchten sich auch eine Vielzahl betroffener nicht operieren lassen oder sind aus verschiedensten Gründen für ein operatives Vorgehen nicht geeignet.

Im Gegensatz dazu stellt die rPMS eine echte wirksame Behandlungsalternative dar. Ohne belastenden chirurgischen Eingriff bzw. unerwünschte Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie, bietet die rPMS eine gute Erfolgsaussicht ohne eine, oftmals als anstrengend und lästig empfundene kontinuierliche Trainingsdisziplin.

Unterstützt wird die Anwendungstreue durch die diskrete (kein Entkleiden erforderlich) und die hygienische (keine Einführung vaginaler/rektaler Sonde) Durchführung in bequemer sitzender Position. Die Perzeption der als “nicht störend” empfundenen, magnetischen Muskelkontraktion erleichtert die Wahrnehmung und verbessert die Koordination des isolierten Einsatzes der Beckenbodenmuskulatur. Gleichzeitig wird eine nachhaltige Optimierung von Kraft und Ausdauer des Beckenbodens induziert.

Darüber hinaus bietet die rPMS die ausserordentliche Chance, einer Vielzahl von Inkontinenz-Betroffenen (Männer und Frauen!), die sich einer Therapie aus Scham oder Resignation verschlossen haben, durch eine wirksame Behandlung wieder zu verbesserter Teilhabe zu verhelfen!


Quellen:

[1] Barker AT, Jalinous R, Freeston IL. Non-invasive magnetic stimulation of human motor cortex. The Lancet 1985; 325: 1106-1107
[2] Struppler A et al. Modulatory effect of repetitive peripheral magnetic stimulation on skeletal muscle tone in healthy subjects: stabilization of the elbow joint. Exper Brain Res 2004; 15: 59-66
[3] Markworth P. (2007). Sportmedizin. Physiologische Grundlagen  21.A. 2007. Rowohlt Taschenbuch Verlag: Reinbek bei Hamburg
[4] Greising SM et al. Systems biology of skeletal muscle: fiber type as an organizing principle. Wiley Interdiscip Rev Syst Biol Med. 2012;4(5):457-73
[5] Gasser HS. The classification of nerve fibers. The Ohio Journal of Science. 1941; 41 (3): 45-159
[6] Mathis J et al. The boundary effect in magnetic stimulation: Analysis at the peripheral nerve. EEG Clin Neurophysiol. 1995; 97:238–245
[7] Machetanz J et al.Magnetically induced muscle contraction is caused by motor nerve stimulation and not by direct activation. Muscle Nerv 1994; 1994; 17(10): 1170-5
[8] Penka G, Pylypiw T. Elektromagnetische Stimulation der menschlichen Muskulatur. Universität der Bundeswehr. München Neubiberg. 22.07.2009
[9] Nagarajan SS, Durand DM, Warman EN. Effects of induced electric fields on finite neuronal structures: a simulation study.  IEEE Trans Biomed Eng. 1993;40(11):1175-88
[10] Peruchini D, DeLancey JOL: Functional anatomy of the pelvic floor and lower urinary tract. In: Baussler K et al., eds. Pelvic Floor  Rew-education. 2nd ed. London, UK. Springer; 2008
[11] Koelbl H et al. Morphologic and functional aspects of pelvic floor muscles in patients with pelvic relaxation and genuine stress incontinence. Obstet Gynaecol 1989; 74: 789-795
[12] Wilson PM. Understanding the pelvic floor. S Afr Med J 1973; 47: 1150-167
[13] Chritchley HOD, Dixon JS, Gosling JA. Comparative study of the periurethral and perianal parts of the levator ani muscle. Urol Intr 1980: 35: 226-232
[14] Fischer W. Pfister C. Tunn R. Zur Histomorphologie der Beckenbodenmuskulatur bei Frauen mit Harninkontinenz. Zentralbl Gynakol 1992; 114: 189-194
[15] Klutke C et al. Magnetic resonance imaging in female stress incontinence. Int Urogynecol J 1991; 2: 115-118
[16] Gilpin SA et al. The pöathogenisis of genitourinary prolapse and stress incontinence of rine. A histological and histochemical study. Br J Obstet Gynaecol 1989; 96: 15-23
[17] Smith ARB, Hasker GL, Warrell DW. The role of partial denervation of the pelvic floor in the aetiology of genitourinary prolapse and stress incontinence of urine. A neurophysiological study. Br J Obstet Gynaecol 1989; 96(1): 24-28
[18] Russel B. Brubaker L. Muscle function and ageing. In: Baussler K et al., eds. Pelvic Floor Reducation. 2nd ed. London. UK. Springer. 2008
[19] Kunesch E et al. Somatosensory evoked potentials (SEP’s) elicited by magnetic nerve stimulation. Electroencephalogr Clin Neurophysiol. 1993;88:459–467
[20] Gündisch C. Wirkung der repetitiven peripheren Magnetstimulation (RPMS) auf den Skeletttonus beim Gesunden. Dissertation TU München, 24.05.2002
[21] Vladmir M. Zatsiorsky. Intensity of strength training facts and theory: Russian and Eastern Europe approach
[22] Wastl P. Vorlesung WS 2003/2004. Heinrich-Heine-Universtität Düsseldorf. Institut für Sportwissenschaft
[23] Juninger B. Dysfunktion und Training des Beckenbodens. Uro-News 12.2009
[24] Bo K et al. Lower urinary tract symptoms and pelvic floor muscle exercise adherence after 15 years. Obstet Gynecol 2005; 105(5 Pt1): 999-1005
[25] Knaflitz M, Merletti R, deLuce CJ. Interference of motor unit recruitment order in voluntary and electrically elecited contractions. J Appl Physiol (1985). 1990;68(4):1657-67
[26] Shafik A. A new concept ot the anatomy of the anal sphincter mechanism and the phyiology of defecation: a mass contraction of the pelvic floor muscles.Int Urogynecol J Pelvic Floor Dysfunct 1998: 9(2): 28-32
[27] Struppler A et al.  Eine neue Methode zur Frührehabilitation zentralbedingter Lähmungen von Arm und Hand mittels peripherer Magnetstimulation. Zeitschrift für Elektroenzephalographie, Elektromyographie und verwandte Gebiete. 1996; 27: 151-157
[28] Struppler A et al.  Eine neue Methode zur Frührehabilitation zentraler Lähmungen von Arm und Hand mittels peripherer Magnetstimulation. Neurologie und Rehabilitation. 1997; 3: 145-158
[29] Struppler A, Havel P: Facilitation of Sensorimotor Performances of Skilled Finger Movements by Repetitive Peripheral Magnetic Stimulation (RPMS) – Cognitive Aspects. In: Dengler R, Kossev AR (Hrsg) Sensorimotor Control – Series I: Life and Behavioural Sciences, IOS Press, Amsterdam, S. 57-64
[30] Struppler A, Havel P, Müller-Barna P: Facilitation of skilled finger movements by repetitive peripheral magnetic stimulation (RPMS) – a new approach in central paresis. NeuroRehabilitation. 2003; 18(1): 69-82
[31] Struppler A, Havel P, Müller-Barna P. Facilitation of skilled finger movements by repetitive peripheral magnetic stimulation (RPMS) – a new approach in central paresis. Neuro Rehabilitation. 2003; 18: 69-82
[32] Stölting M et al. Noninvasive electromagnetic stimulation for stress urinary incontinence improves regeneration of skeletal muscle, increases nerve ingrowth and acetylcholine receptor clustering. J Urol 2012; 187(4 S. Suppl.) e211 – e212


Print Friendly, PDF & Email